Daniel Roth
Als gelernter Forstwart kenne ich die Waldarbeit von der Pike auf. Ich bin vertraut mit der Materie Holz und weiss diesen Rohstoff als Wärmelieferant oder kreativen Ideengeber zu schätzen.
Über Jahre hinweg begleitet mich das Holzschnitzen. Schnitzereien nicht im üblichen Sinn wie in der Darstellung von Figuren, Skulpturen oder Szenerien. Nein, es sind die Besonderheiten, die der gewachsene Baum mit sich bringt. Eingewachsene Äste, Verknorzungen, Verwucherungen oder spezielle geformte langfaserige Verastungen.
Mit einem kreativen Auge erkenne ich die Besonderheiten dieser erwähnten Spezialitäten. Die Motive finde ich auf langen Waldspaziergängen, beim Abschreiten von durchforsteten Flächen, in Form von Astabschnitten, Splitterholz oder Verwachsungen.
In kreativer Handarbeit darf ich diese Spezialitäten freilegen, mit der japanischen Säge, dem Stechbeitel oder den scharfen Schnitzmessern. Jedes Detail der Auswüchse und Verwachsungen wird freigelegt, ins rechte Licht gerückt. Die eindrücklichen Ornamente dann mit einem weichen Schleifpapier geschliffen und poliert, so dass die natürlichen Strukturen in allen Farben, Formen und Varianten sichtbar sind.
Was ist meine Motivation für diese Tätigkeiten? Die Faszination Holz lässt mich nicht los. Ein Leben lang. Das Erkennen von Formen, die Vollendung einer Idee, das Objekt in ein Licht zu rücken, welches die Schönheit der langfaserigen Hölzer oder speziellen Verwachsungen präsentiert. Eine nie aufhörende Faszination.
Meine Werkstatt ist klein, aber fein. Der Werkzeugpark übersichtlich, und von bester Qualität. Die japanischen Sägen habe ich aus der Heimat meiner Frau, Japan, mitgebracht. Mit diesen qualitativ hochstehenden Sägen lassen sich die versteckten Besonderheiten bestens und formschön raussägen. Die Schnitzmesser habe ich von meinem Firmgötti Erwin geerbt. Hätte er gedacht, dass seine Messer nochmal so kreativ zu Einsatz kommen.
An meiner Werkbank, die wohl auch schon bald 100 Jahre alt ist, habe ich mich bestens eingerichtet. Die kleinen Kunstwerke lassen sich einspannen und bearbeiten. Nach den erforderlichen Schnitten mit der Säge kommt das Schnitzmesser zum Einsatz, gefolgt von weichem Schleifpapier, welches dem Kunstwerk den letzten «Schliff» gibt, und es in würdevoller Schönheit erstrahlen lässt.
Die Spähne und herausgehauenen Holzschnitzel finden sich in unserem Holzofen wieder als «aafüüri». Der Kreislauf schliesst sich und meine Werkstücke inklusive der Abschnitte werden ihrem Zweck zugeführt.
Noch eine Bemerkung in eigener Sache. Sollten Sie in Ihrem Garten oder Waldstück bei der Pflege, oder beim Zurückschneiden der Aste und Dolder spezielle Formen von Ästen, Verwucherungen, Verknorzungen oder anderen speziellen Wuchsformen vorfinden, lassen sie es mich wissen. Ich würde mich freuen sie kennen zu lernen, und vielleicht findet eine ihrer Besonderheiten aus dem Garten oder Wald den Weg in meine Werkstatt. Vielen Dank.











